Brunnen in Nürnberg

Brunnen

Wohl dem, der einen eigenen Brunnen hat. Bis Mitte des 14. Jahrhunderts musste ohne Hausbrunnen jeder Tropfen Wasser von den öffentlichen Brunnen in Eimern nach Hause geschleppt werden. Erst im Zuge der Industrialisierung und der wachsenden Bevölkerung wurde das Wasserleitungsnetz ausgebaut, 1885 begann die zentrale öffentliche Wasserversorgung.

Die Altstadtfreunde haben es von Anfang an als eine ihrer Aufgaben betrachtet, die historischen Brunnen stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.

1974 bekannten sich die Altstadtfreunde mit der Wiederherstellung des ältesten Röhrenbrunnens der Stadt, dem Hieserlein am Unschlittplatz, zu dem Prinzip, wichtige, in Museen aufbewahrte Baudenkmäler wieder an ihren ursprünglichen Platz zu bringen. Zahlreiche weitere Brunnen schmücken dank der Altstadtfreunde heute wieder Höfe und Plätze.

Hieserleinbrunnen am Unschlitthaus
Hieserleinbrunnen am Unschlitthaus

Der Nachguss des Delphinreiters, einer Brunnenfigur aus dem 17. Jahrhundert für den Hof Albrecht-Dürer-Straße 11, sollte beispielhaft zeigen, mit welch hohem künstlerischen Aufwand die Hofbrunnen vieler Bürgerhäuser geschmückt waren.

Zur Ausschmückung des renovierten Sebalder Pfarrhofs stifteten die Altstadtfreunde eine Brunnenmaske, eine im Nachkriegstrümmerfeld der Altstadt ausgegrabene teufelsähnliche Fratze unbekannter Herkunft.

1980 gelang die Wiederherstellung des Ziehbrunnens am Tiergärtnertorplatz, nachdem 1979 bei Tiefbauarbeiten der Brunnenschacht wiederentdeckt worden war. Als Beispiel für einen der vielen verschwundenen öffentlichen Brunnen vermittelt er uns heute eine Ahnung davon, wie mühsam die Wasserversorgung in früherer Zeit ablief.

Delphinreiterbrunnen Albrecht-Dürer-Straße 11
Delphinreiterbrunnen Albrecht-Dürer-Straße 11

Mit dem Grübelsbrunnen brachten die Altstadtfreunde nach über 40jähriger Trockenheit ein Werk aus dem späten 19. Jahrhundert wieder zum Sprudeln. Als Denkmalbrunnen steht er in einer langen Nürnberger Tradition. In der Nähe seines Hauses erinnert nun die Brunnenfigur wieder an den berühmten Mundartdichter Konrad Grübel.

Bei der Sanierung des Hauses Obere Krämersgasse 16 wurde 1988 ein Ziehbrunnen entdeckt, der völlig in Vergessenheit geraten war. Der bis dahin als Rätsel betrachtete noch vorhandene Haken an der Hofgalerie wurde wieder für einen Seilzug benützt und durch eine hölzerne Rolle ergänzt. Heute ist es ein Höhepunkt jeder Führung, aus dem Brunnen einen Eimer mit Wasser hochzuziehen und unter leisem Plätschern wieder hinabzugießen.

Grübelsbrunnen
Grübelsbrunnen / Detail der Brunnenfigur (unten)
Grübelsbrunnen (Detail)