Historische Erker in Nürnberg

Erker

Dacherker sind das i-Tüpfelchen eines Hauses, geben ihm Individualität und Charakter im Vergleich mit seinen Nachbarn. Sie sind ein typisches Merkmal der Nürnberger Architektur und waren bis 1945 in keiner anderen deutschen Stadt so häufig anzutreffen wie in Nürnberg. Das hat der Zweite Weltkrieg leider geändert und die Dacherker verdienen deswegen zu Recht die besondere Aufmerksamkeit der Altstadtfreunde.

Keiner hat jemals genau aufgelistet, wie viele Erker dem Krieg zum Opfer gefallen sind, doch der Verlust wiegt schwer. Seit 1973 haben sich die Altstadtfreunde dem Erhalt dieser liebenswerten Besonderheit der Nürnberger Architektur gewidmet und über 30 Dacherker entweder restauriert oder als Rekonstruktion wieder aufgesetzt.

Dacherker Bergstraße 23
Aufzugserker Bergstraße 23

Bei den Dacherkern werden zwei Grundformen unterschieden.

Die bei weitem häufigste Form war der Aufzugserker in Fachwerkbauweise mit vorkragendem Aufzugswalm und breiter Öffnung auf der Vorderseite. Ein Schlitz in der Aufzugsplatte bot die Möglichkeit, eine Aufzugsrolle anzubringen, über die ein Seil zum Aufziehen oder Ablassen von Lasten gezogen werden konnte. 

Daneben entwickelte sich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts eine reine Zierform mit Fensteröffnungen. Die Holzteile waren geschnitzt, oft in Form von Andreaskreuzen oder Maßwerk. Häufig von einem Spitzdach überragt, waren sie Schmuck und Bekrönung des Hauses.

Dacherker Weinmarkt 12a
Ziererker Weinmarkt 12a
Dacherker Winklerstraße 13
Ziererker Winklerstraße 13

Nach der strengen Nürnberger Bauordnung waren Dacherker grundsätzlich erlaubt, aber genauen Vorschriften unterworfen. Im Gesetzbuch von 1484, der "Nürnbergischen Reformation", hieß es:

"Auch mag ein yeder in sein tachwerck gegen gemeiner Straßen machen einen Erker acht statschuch weit oder ennger, und in der Höhe als der erst stuhl in dem selben tachwecrk ist und nit höher."

Als maximale Breite waren umgerechnet 240 cm gestattet, die Höhe durfte nicht mehr als ein Stockwerk ausmachen und es war nur ein Erker pro Haus genehmigungsfähig. So mancher Bauherr versuchte dennoch, sich beim Zierrat besonders hervorzutun. Der reichsstädtische Rat bekämpfte solche "hoffärtigen Erker" auf das Schärfste. Mehrmals wurden Zimmerleute mehrere Tage bei Wasser und Brot ins Loch gelegt, weil sie derartige "auffgespitzte, außgehauene und durchbrochene" Erker gebaut hatten. Die Auftraggeber mussten Strafe zahlen.

Erker im Bau
Errichtung eines rekonstruierten Aufzugserkers