Rathaussaal Nürnberg

Rathaussaal

Zeichnung Ausmalung Rathaussaal
Foto: © Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg

Der Historische Rathaussaal bleibt Nürnberg-Besuchern in der Regel verschlossen, selbst Einheimischen ist er häufig unbekannt, die schauerlichen Lochgefängnisse zwei Geschosse darunter sind dagegen eine Attraktion. Und doch ist der Saal ein Pfund, mit dem Nürnberg wuchern, sein neues Image als "Stadt des Friedens und der Menschenrechte" abrunden könnte: Im Nürnberger Rathaus wurde eben nicht nur barbarisch gefoltert, sondern hier fand 1649 auch das berühmte Friedensmahl statt – ein Meilenstein im europäischen Friedensprozess nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Die wenigsten wissen, dass bereits seit 1999 die Benefizveranstaltung "Nürnberger Friedensmahl" an dieses historische Ereignis anknüpft: Dann wird der Historische Rathaussaal zu einem Ort, an dem alle zwei Jahre größere Spendenbeträge für Friedens- und Menschenrechtsprojekte gesammelt werden.

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Die Geschichte des Rathaussaales – ein Blick zurück

Die sachlich-nüchterne Eleganz, in der sich der Rathaussaal heute präsentiert, lässt kaum erahnen, dass frühere Generationen hier bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg ein prächtiges Gesamtkunstwerk der Renaissance vorfanden: Sein Schöpfer war kein Geringerer als Albrecht Dürer. Glücklicherweise dokumentiert exzellentes Bildmaterial, darunter Farbdias, das Aussehen vor 1945.

Rathaussaal 1626
Foto: © Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg Rathaussaal 1626, Südwand
Rathaussaal Nürnberg 2014
Rathaussaal 2014

Als der Saal entstand (1332-1340), war er mit einer Länge von 40m und einer Breite von 12m der größte ungeteilte Profanraum nördlich der Alpen – ein Superlativ, der zu Nürnbergs Bedeutung passte: Wurde die Stadt doch wenige Jahre später durch die Goldene Bulle (1356) zur "ideellen Hauptstadt" des Heiligen Römischen Reiches - hier musste jeder neu gekrönte Kaiser seinen 1. Reichstag abhalten.

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Vermutlich entsprach die damalige Ausstattung des Saales seiner Bedeutung. Immerhin wurde hier Reichsgeschichte geschrieben! Erhalten sind freilich nur noch die zwei Reliefs an der Ostwand.

Ab 1521 wurde der Rathaussaal völlig neu gestaltet. Unter Dürers Leitung entstand ein Gesamtkunstwerk aus Wandgemälden, Glasmalereien, Vertäfelungen, Leuchtern und einem Holztonnengewölbe. Auch die Außenfassaden wurden nach Dürers Entwürfen bemalt. Unmittelbarer Anlass für diese Maßnahmen war der Tod des Kaisers Maximilian I. (1519). Die Nürnberger wollten seinen Nachfolger Karl V. auf seinem 1. Reichstag durch einen Prunksaal beeindrucken. Allerdings ging dieser Plan nicht auf: Der neue Kaiser verstieß gegen die Bestimmungen der Goldenen Bulle, der 1. Reichstag fand in Worms statt.

Bereits 1613 mussten die Wandgemälde renoviert werden. Den Auftrag dazu erhielten vier Nürnberger Maler. 

Rathaussaal Nürnberg 2014
Rathaussaal 2014

Sie nahmen einige Ergänzungen vor, auch wurde die Ostwand neu gestaltet, Dürers Gesamtkonzeption blieb jedoch im Wesentlichen unverändert.

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Längst schon hatte sich das Rathaus durch Zukauf benachbarter Häuser in nördliche Richtung ausgedehnt. Als dieser heterogene Baubestand durch eine repräsentative - 80m lange - Schaufassade vereinheitlicht wurde, integrierte man den gotischen Saalbau, dessen Westfront deshalb 1620 abgebrochen wurde. Auch eine Fensterachse auf der Südseite des Saalbaus wurde für den Bau des Südturmes der neuen Fassade abgerissen. Im Inneren entstand eine Nische. Als Folge des Umbaus wurde die Westseite des Saales innen neu gestaltet.

In den Jahren 1904/05 erfolgte erneut eine umfassende Restaurierung der Wandgemälde. Verantwortlich war Hans Haggenmiller aus München. Er ließ die Malereien im Maßstab 1:1 kopieren, dann von der Wand abnehmen und anschließend die Wände neu bemalen – obwohl er den ausdrücklichen Auftrag hatte, die vorhandenen Gemälde zu konservieren. Ein Teil der abgenommenen Malereien und der auf Karton angefertigten Kopien existiert noch heute, den Zustand des Saales vor und nach der Restaurierung hielt der 

Fotograf Ferdinand Schmidt in zahlreichen Aufnahmen fest. Haggenmiller entdeckte unter den Farbschichten auch Malreste aus der Dürerzeit, dokumentierte sie jedoch – möglicherweise aus Zeitmangel – nur ungenügend.

Nach seiner weitgehenden Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde der Rathaussaal 1956-58 äußerlich wieder aufgebaut. 1979 beschloss der Stadtrat einstimmig die Wiederherstellung in den historischen Grundelementen von 1520/21. In den 1980er Jahren folgten aufwändige Rekonstruktionsmaßnahmen, über die Ausmalung des Saales konnte jedoch keine Einigung erzielt werden, so dass die Wände weiß blieben. Im Jahr 2012 starteten die Altstadtfreunde unter dem Motto "Dürer zurück ins Rathaus!" eine öffentlichkeits-wirksame Initiative mit dem Ziel, die Ausmalung des Rathaussaales nach Dürers Konzeption bis zum Jubiläumsjahr 2021 durchzuführen. Am 25. Mai 2014 werden Nürnbergs Bürger auf Initiative der Altstadtfreunde bei einem Bürgerentscheid über die Ausgestaltung des Rathaussaales entscheiden.