Dr. Erich Mulzer

Dr. Erich Mulzer – der »Altstadtmacher«

Erich Mulzer wurde am 13. Januar 1929 in Nürnberg geboren und wuchs im Stadtteil Galgenhof auf. An der Oberrealschule an der Löbleinstraße legte er 1948 sein Abitur ab. 1955 schloss er das Studium der Geschichte, Germanistik und Geographie an der Universität Erlangen mit dem wissenschaftlichen Staatsexamen ab. 1958 folgte das pädagogische Staatsexamen. Nach kurzen Zwischenphasen an der Oberrealschule Marktredwitz und am Deutschen Gymnasium Schwabach begann er im Januar 1958 seinen Dienst als Studienrat am Gymnasium Fridericianum Erlangen, dem er bis zu seinem Ruhestand 1991 als Studiendirektor verbunden blieb.

Die Altstadtfreunde waren Erich Mulzers Lebensinhalt, er gab ihnen seine ganze Kraft, er verkörperte die Altstadtfreunde. Diese Begeisterung für seine Vaterstadt Nürnberg war schon sehr früh bei ihm angelegt und begleitete ihn sein Leben lang.

Bereits als Student verfasste er sein erstes Buch, das bezeichnenderweise den Titel "Nürnberger Bürgerhäuser" trägt, und bereits 1951 trat er der "Vereinigung der Freunde der Altstadt Nürnberg e.V." bei.

Geschockt musste Erich Mulzer erleben, wie in den Jahren des Wiederaufbaus viele Zeugnisse des alten Nürnbergs, die den Krieg überdauert hatten, nun gedankenlos Opfer der Spitzhacke wurden. Seine Dissertation über den "Wiederaufbau der Altstadt von Nürnberg 1945 bis 1970" setzt sich in eindrucksvoller Weise mit diesem Thema auseinander. Einen Tiefpunkt erreichte diese Entwicklung, als im Jahre 1973 der Abriss der letzten beiden Weberhäuser der Sieben Zeilen genehmigt wurde. Ein einmaliges kulturhistorisches und wirtschaftspolitisches Denkmal ging damit ohne Not verloren.

Dieser Vorgang rüttelte wach, es musste etwas geschehen. Erich Mulzer schritt zur Tat und gründete die Altstadtfreunde in ihrer heutigen Form, die seit 1976 unter „Altstadtfreunde Nürnberg e.V.“ firmieren. Im Oktober 1973 wurde er zu ihrem Vorsitzenden gewählt und hatte diese Funktion bis Mai 2004 inne. Ihm war dabei von Anfang an klar, dass nur etwas erreicht werden konnte, wenn die Altstadtfreunde selbst Hand anlegen. Für ihn war es besonders wichtig, nicht nur Mahner und Kritiker zu sein, sondern zu zeigen, dass Bürgersinn und Bürgerwille etwas leisten können. Entscheidend war, dass er seine Begeisterung auf eine stetig wachsende Zahl Gleichgesinnter zu übertragen wusste.

Nach über drei Jahrzehnten aufopferungsvoller, ausschließlich ehrenamtlicher Tätigkeit konnte er eine beeindruckende Bilanz ziehen: Mehr als 220 Baumaßnahmen waren in dieser Zeit ausgeführt worden, z.B. 41 Fachwerke

freilegt, 23 Dacherker aufgesetzt, 14 Chörlein wiederhergestellt und 24 Hausfiguren angebracht worden. Der große Durchbruch gelang 1981 mit der Rettung der Häuser am Unschlittplatz. Ein Ensemble, das von Stadtplanung und Stadtrat längst als unrettbar aufgegeben worden war und einer Straße weichen sollte, konnte in hartnäckigen Verhandlungen vor dem Abriss bewahrt werden.

Anlässlich 30 Jahre Altstadtfreunde und

30 Jahre Vorsitz Dr. Mulzer gaben wir ihm zu Ehren den "Altstadtmacher" heraus, ein Buch, das in eindrucksvollen Bildern von Herbert Liedel, Günter Derleth und Bernd Telle und einem Essay von Peter Fleischmann Zeugnis ablegt von der Leistung Erich Mulzers und "seiner" Altstadtfreunde.

Sein besonderes Augenmerk richtete Erich Mulzer stets auch auf die Stadtspaziergänge. Mehr als 150 Führungen hat er selbst ausgearbeitet. Als Historiker und einer der besten Kenner der Geschichte Nürnbergs und der Altstadt vermittelte er in äußerst lebendiger Form den Nürnbergerinnen und Nürnbergern historische Zusammenhänge, brachte ihnen die Schönheiten ihrer Stadt nahe, ließ sie stolz auf Nürnberg sein und öffnete so manche Geldbörse, gewann Spender und Mäzene, die das Wirken für Nürnberg dann auch materiell ermöglichten.

Das Pflegen und Erhalten einzelner

Baudenkmäler war bei Erich Mulzer immer eingebettet in eine gesamtkulturelle Vorstellung von der Stadt. Er sagte einmal: "Das Nürnberg der Vorkriegszeit war eine der schönsten Städte der Welt; [...Alle] Nürnberger [waren] stolz auf dieses einmalige türmereiche und burggekrönte Stadtbild mit seinen verschatteten Gassen und wohnlichen Plätzen, mit seinen Brunnen und Höfen, Erkern und Madonnen und tausenden alter Häuser, die alle zusammen die deutsche Ausprägung europäischer Kultur und Kunst zum Ausdruck brachten 

wie etwa Florenz und Venedig die italienische." Sein ganzes Streben bestand darin, dieses kulturelle Erbe in den überkommenen Spuren sichtbar zu machen und für die Zukunft zu bewahren - hierfür hat er sein ganzes Leben gearbeitet, viele persönliche Opfer gebracht. Dies dokumentieren nicht nur die vielen Baumaßnahmen, die unter seiner Ägide durchgeführt wurden. Mindestens ebenso eindrucksvoll ist sein wissenschaftliches Werk als Historiker und Geograph, das sich akribisch mit der Geschichte und Architektur Nürnbergs befasst.

Seine Beharrlichkeit hat auch immer wieder Kritiker auf den Plan gerufen, so vor allem beim Augustinerhof-Projekt, das die Maßstäblichkeit des Umfeldes extrem gesprengt hätte. Heute geben ihm manche damaligen Befürworter recht. Um es mit den Worten von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly auszudrücken: "Erich Mulzer hatte ein Bild von der Stadt und konnte ihre Seele 

spüren, die Seele der Stadt, seiner Stadt." Insgesamt betrachtet überwogen bei weitem die positiven Urteile, wie die zahlreichen Ehrungen und Orden zeigen, die er erhalten hat.

Am 9. Oktober 2005 erlag unser Ehrenvorsitzender, Herr Dr. Erich Mulzer, seinem schweren Leiden, das er viele Jahre ertrug und es stets vergaß, wenn es etwas für die Altstadtfreunde zu tun gab. In einer würdigen Trauerfeier in der Johanniskirche nahmen wir unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von ihm Abschied, ein Abschied, der uns sehr schwer gefallen ist und der noch immer schmerzt. Dr. Ulrich Maly, hat es während der Trauerfeier so formuliert: "Erich Mulzer war Nürnberger aus Leidenschaft, ein Nürnberger mit Leidenschaft. Einer, der seine Stadt geliebt hat - eine Liebe, die das offizielle Nürnberg nicht immer erwidert hat".

Wir danken Erich Mulzer für alles, was er für seine Vaterstadt Nürnberg und für uns Altstadtfreunde geleistet hat. Wir werden ihn nie vergessen und alle Anstrengungen unternehmen, in seinem Sinne weiterzuarbeiten.