Sanierungsprojekt der Altstadtfreunde

Irrerstraße 1

Das Irrerbad

 

Es ist das letzte aller 14 Nürnberger Badhäuser, das als Gebäude noch existiert. Erstmals wurde es 1326 als „Irrerbad“ urkundlich erwähnt. Von dem 1510 errichteten Badhaus sind nur noch Reste erhalten. So wie es sich heute präsentiert, geht es im Wesentlichen auf einen Umbau im Jahre 1691 zurück. Als Bad wurde es bis 1695 benutzt.

 

Den Zweiten Weltkrieg hat dieses Haus, durch Bomben-
einschläge in seiner Nähe teilweise stark beschädigt, überdauert. Erst bei der behelfsmäßigen Instandsetzung des ersten Obergeschosses im Jahr 1948 musste der neun Meter hohe, beschädigte Dachstuhl abgetragen werden. Für seine Reparatur fehlte schlichtweg das notwendige Holz.
Ergebnis: ein flach geneigtes Notdach.

Diesem Schandfleck an einem der sensibelsten Orte im Stadtgebiet wollten wir ein Ende bereiten. 1997 kauften die Altstadtfreunde das Provisorium. Wohl wissend, dass eine Baumaßnahme nicht sofort in Angriff genommen werden konnte.

Als es 2003 endlich soweit war, folgte eine Überraschung der anderen. Der Baugrund bestand aus meterhohen Aufschüttungen, die Außenmauern mussten nachfundamentiert werden. Zuerst mussten indes die Archäologen an dieser historisch bedeutsamen Stätte ihre Arbeit verrichten.

Ausgrabungen

Gefunden wurden im Erdgeschoss Reste des Badofens. In der ursprünglichen Badstube entdeckte man die Umrisse eines Ofens mit Aufgusssteinen, einer heutigen Sauna vergleichbar. Unter dem Fußboden lagerten außerdem Reste einer Heizanlage ähnlich den Bädern im alten Rom. Bei weiteren noch mehr in die Tiefe gehenden Grabungen stießen die Archäologen auf Fragmente eines mächtigen „Ausheizofens“ einer Eisenverhüttungsanlage. Und darunter wiederum fand man Spuren eines im 12. Jahrhundert abgebrannten, voll unterkellerten Wohnhauses.
Für die Altstadtfreunde ein besonderes Fundstück: eine aus einem Tierknochen geschnitzte, etwa 10 Zentimeter große Heiligenfigur. Wahrscheinlich handelt es sich um den Evangelisten Johannes. Wir erklärten die Figur zum Hauspatron. Nachbildungen können bei den Altstadtfreunden erworben werden.

Mit Details zu neuem Glanz

Bei der Sanierung wurden die Fassaden nach historischem Vorbild von 1691 einschließlich der Quadermalerei wiederhergestellt. Ebenso konnte der Fachwerkgiebel nach alten Plänen und Fotografien neu errichtet werden. In das Dach wurden zwei Erker eingebaut und Gauben zur besseren Belichtung des Dachgeschosses. Rekonstruiert wurde auch der nachträglich 1837 eingebaute Keller. Zwei 1908 eingebaute Ladengeschäfte blieben erhalten. Die gediegene, typische Haustüre aus massivem Eichenholz, von uns bereits 1984 wiederinstandgesetzt, stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Entstanden sind der früheren Nutzung entsprechend drei Wohnungen. Die Mieterinnen und Mieter schätzen die besondere Atmosphäre der Räume und sind beeindruckt von den zahlreichen baugeschichtlichen Befunden, die sichtbar gelassen wurden.

1510

Baujahr

1691

Umbau

 

2003 - 2007

Sanierung

Architekturbüro Albert & Reinecke

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